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Fremdsprache Pferdisch: Kommunikation auf hohem Niveau

01. August 2013

Auf unseren Artikel „Horsemanship...sozial artgerecht und gewaltfrei" bekamen wir sehr viel Rückmeldungen. Positive Kommentare, aber auch negative. Über jedes einzelne habe ich mich sehr gefreut und möchte mich bei Euch über die fachlich und konstruktiv geführte Diskussion bedanken!

In eigener Sache

Um noch einmal kurz richtig zu stellen: Ich bin absolut für das Ziel des Horsemanship-Trainings! Ich habe lediglich die Methoden in Frage gestellt, über welche dieses Ziel erreicht werden soll. Ich habe mich ebenfalls sehr darum bemüht, umfangreich zu recherchieren und den Begriff „Horsemanship" und den Sinn der verschiedenen Trainingsmethoden zu verstehen. Eine verantwortungsbewusste Recherche bedeutet allerdings auch, ständig zu hinterfragen, alles kritisch zu betrachten, immer zwei Seiten der Medaille zu untersuchen und niemals alles ungeprüft zu bejubeln, was mir präsentiert wird.

Starten, wo andere aufhören zu arbeiten

Hans-Jürgen Neuhauser war so lieb und hat mir die Gelegenheit gegeben, einen möglichen Weg kennen zu lernen, der meinen Vorstellungen von „gewaltfrei und sozial artgerecht" entspricht.

Das Ziel ist geblieben: Die harmonische Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd.

Harmonie entsteht, wenn die Kommunikation zwischen zwei Lebewesen über eine gemeinsame Sprache geführt wird. Wenn sie höflich, leise und deutlich gesprochen wird und alle Beteiligten an dem Gespräch freiwillig teilnehmen... frei von  möglichen Konsequenzen, die entstehen, wenn ein Partner die Unterhaltung verlässt.

Zwei wichtige Aspekte sind hier beschrieben, welche theoretisch oft benannt werden, aber in der Umsetzung schwammig werden:

  • Körpersprache
  • Freiwillig

Überall hört man das bedeutungsvolle Wörtchen „Körpersprache". Der Mensch muss die Sprache der Pferde lernen. Dem stimme ich völlig zu. Ich wunderte mich nur, warum die Pferde diese Sprache in manchen Ausbildungsmethoden ebenfalls lernen müssen...ist es doch eigentlich ihre eigene?! Wochenlange Trainingseinheiten der Kommunikation sind nötig, damit die Pferde dem Menschen ohne Hilfsmittel folgen. Trainingseinheiten, in denen das Pferd lernt, dass es Phasen der Kommunikation gibt, die es besser vermeiden sollte, da sie sehr schmerzhaft sein können. Der einzig nette Weg ist der, den der Mensch einschlagen möchte. Weicht das Pferd von diesem Weg ab, wird es daran gehindert. Schlussendlich wählt dieses den gewünschten Pfad und folgt dem Menschen „freiwillig". Ist das wirklich Kommunikation über Körpersprache oder ist es doch eher eine klassische Konditionierung, auch Dressur genannt?

Erlerne ich eine Fremdsprache, setze ich im Vorfeld voraus, dass ich im Nachhinein mit jedem Lebewesen direkt und unmittelbar kommunizieren kann, welches diese Sprache ebenfalls beherrscht.

Hans-Jürgen Neuhauser hat bewiesen, dass er die Körpersprache der Pferde verstanden hat.

Er geht auf ein ihm unbekanntes Pferd zu, lädt es ohne Hilfsmittel ein, ihm zu folgen und das Pferd schließt sich ihm an. Es schreitet durch Hütchen, mal links vorbei, mal rechts vorbei...immer genauso, wie Herr Neuhauser es ihm vorschlägt. Überprüfbar durch vorherige Ansage. Kein join up, keine Spielchen und keine sonstige „Vorarbeit" am Pferd sind nötig, um hier eine Kommunikation herzustellen, die in Präzession und Feinheit seinesgleichen sucht. Jeder Blick, jede Fingerkrümmung, jeder Winkel der Fußspitze haben in dieser Sprache ihre Bedeutung. Sie zu erlernen setzt absolute Körperwahrnehmung und Beherrschung voraus. Jedes Schwanken des eigenen Schwerpunktes überträgt sich auf das Pferd und lässt die Unterhaltung ins Stocken geraten. Jeder noch so kleine geistige und körperliche Fehler führt zum Abbruch des Gespräches seitens des Pferdes. Und dies ist dazu berechtigt. Wird der Mensch unhöflich, weil er den Arm zu hoch hält, oder verwirrend, weil er den Blick nicht von den Augen des Pferdes abwendet, oder unkonzentriert, weil er seine Pläne überdenken muss, so wird die Kommunikation vom Pferd beendet. Jeder Mensch würde freiwillig genauso handeln.

Diese Art der Körpersprache übertrifft weit alles, was ich bisher kennengelernt habe. Setzt einen Schritt in Zeitlupe und unterteilt diesen in 5 Phasen. Jede Phase sollte in vollständiger Balance des Körpers, unter Berücksichtigung der gewünschten Richtung, federnd und weich ausgeführt werden, ohne die Gelenke durch einen „freien Fall" zu belasten. Hinzu kommen winzige Bewegungen der Arme, Schultern, Hüfte, Finger, Augen u.a., welche die Verbindung zum Pferd halten und diesem die gewünschte Bewegungsspur vorschlagen.

Wozu das Ganze? Hans-Jürgen Neuhauser trainiert und gymnastiziert seine Pferde, ohne eine materielle Verbindung mit ihnen zu haben. Das Pferd soll frei im Geist und in der Bewegung seinen Körper schulen. Jeder Zug im Führseil, Halfter, Kappzaum oder Gebiss beeinträchtigen die Koordinationsfähigkeit. Das Genick verkantet, die Balance wird gestört oder die psychische Konstitution des Pferdes bleibt unbeachtet. Aufgrund seiner Körpersprache kann er das Pferd über  Volten, Zirkel, Schlangenlinien und andere Figuren bzw. Kombinationen gymnastizieren, seine Körperwahrnehmung bessern und sein Gleichgewicht trainieren.

Löst das Pferd die Verbindung, werden die Gründe zuerst in der Körpersprache des Menschen gesucht. Kann dieser Fehler ausschließen, macht Herr Neuhauser das Pferd darauf aufmerksam, dass dieses unhöflich das Gespräch beendet hat. Allerdings geschieht dies nicht über psychischen oder physischen Druck. Manches Pferd hat allerdings seine Gründe, weshalb es in diesem Moment nicht weiter mit dem Mensch kommunizieren möchte. Anstatt aber, wie viele andere, die ich beobachtet habe, das Pferd jetzt so lange zu „bearbeiten", bis es das gewünschte Training widerstandslos absolviert, und sei es auch nur deshalb, damit der Trainer nicht das Gesicht verliert, gibt er sich mit einer halben Lösung zufrieden. In den weiterfolgenden Tagen würde er dem Pferd die Zeit geben, seine Gründe für die mangelnde Zusammenarbeit Schritt für Schritt aufzuheben. Was er nicht getan hat, ist weiterführenden Druck zur Hilfe zu nehmen. Das ist im Interesse der Pferde, auf ihr Wohl bedacht und ich bin überzeugt, langfristig die bessere Lösung für alle Beteiligten.

Leicht ist sein Weg nicht. Viele Kursteilnehmer sind an ihre körperlichen Grenzen gestoßen, die es zu überwinden gilt. Aber letzten Endes möchte ja auch der Mensch die Sprache des Pferdes lernen. Würde ich die Sprache der Spanier lernen wollen, hätten diese ebenfalls rein gar nichts damit zu tun. Er würde maximal von der Möglichkeit profitieren, sich mit mir unterhalten zu können.

Ein Wochenende ist zu kurz, um diese Körperbeherrschung zu lernen. Aber es vermittelte mir einen sagenhaften Einblick in die reellen Möglichkeiten und verdeutlichte mir, welche körperliche Leistung ich im Training meinem Pferd abverlange, wie fein Hilfen wirklich werden können und was es tatsächlich bedeutet, die Sprache der Pferde zu flüstern.

Diana Zarrouk

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Kommentare  

 
#3 Rebecca Ferber-Huber 2014-06-09 08:11
Liebe Diana,
sie haben es so toll in Worte gefasst, was ich seit ein paar Jahren erlebe.
Nach mittlerweile 7 (anstrengenden) Kursen bei HJ komme ich in der Kommunikation immer etwas weiter.
Und es macht mit jedem Kurs immer noch mehr Freude zu sehen, was wir erreichen können wenn Mensch sich bemüht
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#2 Siegmund Scheller 2013-08-14 04:46
Sehr verehrte Frau Zarouk,
Einen recht herzlichen Dank für Dank für Ihren Beitrag. Darüber wird Hans-Jürgen sehr glücklich sein. Ich HJ 4 Jahre begleitet. Es waren die Anfangsjahre in Haimhausen. Es waren die schwersten Jahre bevor er nach Perach ging. Ich freu mich einmal zu lesen was für ein Talent HJ ist. Bei dieser Größe gibt es viele Neider. Ich habe ihn viele mal begleitet wenn er bei einem störrischen Pferd zu ersten mal war und sofort alles passte. Die Besitzer der Pferde haben selten, nie begriffen, was da ablief. Vergleichen kann man das damit: Wie glücklich ist ein taubstummer wenn jemand für ihn seine Zeichensprache lernt. Daher sind die Pferde so glücklich. Ich könnte noch viel schreiben!
Liebe Grüße
Siegmund
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#1 Sabine W. 2013-08-06 21:18
Seit ich HJN auf der Equitana live gesehen habe, bin ich überzeugt, dass er der kommende Star der Horsemanship-Sz ene wird. Super sympatischer und kompetenter Pferdemann.
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