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Wie viel Mensch braucht das Pferd?

26. September 2013

Wie oft muss ein Pferd durch uns Menschen beschäftigt werden? Reicht es, wenn man zwei Mal die Woche vorbei schaut und „Hallo“ sagt? Ist es OK, wenn man sein Pferd nur am Wochenende zum Reiten rausholt? Oder langweilt sich ein Pferd und wünscht sich ein regelmäßiges tägliches Unterhaltungsprogramm durch den Menschen?

Seit einiger Zeit beschäftigt mich dieses Thema. Und zwar nicht unter dem Aspekt…wie viel Bewegung braucht ein Pferd? Darauf habe ich die Antwort längst gefunden. Sondern mich interessiert, ob das Pferd darauf angewiesen ist, vom Menschen täglich beschäftigt zu werden, um ein ausgeglichenes und erfülltes Leben zu führen.

Begonnen habe ich natürlich mit Diskussionen in meinem Bekanntenkreis. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Meinungen diesbezüglich stets relativ zum Zeitaufwand vertreten wurden, den der jeweilige Pferdebesitzer mit seinem Pferd verbringen konnte oder wollte. Wer weniger als 2 Mal in der Woche sein Pferd zum Reiten, putzen, Spazieren gehen oder anderen Beschäftigungen aus dem Stall holte, der war meistens der Ansicht, dass sein Pferd durch ausreichend große Koppeln und Artgenossen auch ohne ihn einem ausgefüllten Leben nachging. Diejenigen, die sich öfter als 3 Mal in der Woche intensiv mit ihrem Pferd beschäftigten, waren überzeugt, dass ihre Pferde diesen sozialen Kontakt brauchen.

Logisch nachvollziehbare Argumente für oder auch gegen eine tägliche Bespaßung der Pferde, lieferte mir keine der beiden Seiten. So kam ich also nicht weiter…

Fachexperten, also Trainer, Verhaltenstherapeuten und Tierärzte, vertraten ebenso unterschiedliche Meinungen, wie meine „Otto-Normalverbraucher-Bekannten“. Aber sie schupsten mich in einige interessante Richtungen, die sich lohnen, näher betrachtet zu werden.

Die Pflege

Die Haut der Pferde ist auf regelmäßige Pflege angewiesen. Wildpferde kraulen sich ständig untereinander. Dies dient ihnen bewusst in erste Linie zum Auf- und Ausbau der Sozialstruktur. Tiere, die sich sympathisch finden, bekunden ihre Zuneigung über gegenseitiges Beknabbern. Durch diese Massage wird die Haut gut durchblutet, was für die Gesundheit wichtig ist. Eine andere Möglichkeit dazu ist das Scheuern an Bäumen und das Wälzen im Gras oder bevorzugt im Schlamm.

Wie sehen die Möglichkeiten heute aus? Sterile Paddocks ohne Bäume o.ä. verhindern oft diese Art der Haut- und Fellpflege. Schlamm ist in unserer Zeit verpönt und Bäume könnten durch Verbiss kaputt gehen, weswegen sie nicht selten ausgegrenzt werden. Dass Pferde Herdentiere sind und daher am Besten in Gruppen gehalten werden, hat sich bei den meisten Reitern rumgesprochen. Leider noch nicht überall. Es reicht nämlich nicht, wenn ein Pferd neben einem anderen in der Box oder auf dem Paddock stehen darf. Durch die Gitterstäbe hindurch Sozialkontakte aufbauen, ist genau so schwierig, wie über eine Stromlitze hinweg Mähne zu krabbeln.

Aber auch Gruppenhaltung garantiert noch keine ausreichende Fellpflege. Die Partner werden bei Pferden ausschließlich über Sympathie und Antipathie ausgewählt. Dass zwei Pferde miteinander auskommen und sich nicht „die Köppe einschlagen“, bedeutet noch lange  nicht, dass sie sich auch mögen. Da wir aber dazu neigen, kleine Gruppen zusammen zu stellen, wird das ein oder andere Pferd vermutlich keinen „Freund“ finden. Außerdem sind unsere domestizierten Hauspferde nicht mehr auf eine starke Sozialstruktur innerhalb einer Herde angewiesen. Dies alles könnte die Erklärung dafür sein, dass Wildpferde viel häufiger beim Fellchenkraulen beobachtet worden sind, als unsere gezähmten Vierbeiner.

Den Ersatz für die Pferdehaut liefert der Mensch. Das regelmäßige Striegeln kommt der natürlichen Massage gleich und ist entsprechend wichtig für das Wohlbefinden unserer Pferde. Für mich zählen nun keine Ausreden der Putzmuffel mehr, dass Wildpferde auch keine menschliche Pflege bräuchten. Wohlbemerkt zählte ich mich lange Zeit zu ebenjenen dazu. Zukünftig werde ich Putzen eher als Beziehungspflege betrachten und mich nicht nur auf das Säubern der Sattellage beschränken. Dabei kann ich dann nur hoffen, dass mein Stütchen mich sympathisch findet…

Die geistige Abwechslung

Auch hier lieferten mir die Verhaltenspsychologen den Denkansatz. Langweilt sich mein Pferd, obwohl es riesige Koppeln und Artgenossen hat? Ich versuche dem jetzt auch wieder völlig objektiv gegenüber zu treten und lasse menschliches „Wunschglauben“ außen vor.

Was macht eigentlich ein Wildpferd den ganzen Tag so?

Es läuft jedem Grashalm hinterher. Ca. 15 km am Tag. Es sucht Wasser und versucht dabei angestrengt, nicht unbedingt sofort einem Raubtier ins Maul zu stolpern. Nebenbei kümmert es sich um seinen Nachwuchs, um den Erhalt der Sozialstruktur zwischen Herdenmitgliedern, um die erneute Partnersuche (was durchaus öfters zum Herdenwechsel einzelner Pferde führt), um den Schutz und letztendlich um den Fortbestand seiner Art. Allein das klingt bereits so, als wäre der Tag zu kurz, um alles unter einen Hut zu bringen. Wenn ich jetzt noch bedenke, wie das alles abläuft und welchen verschiedenen Umweltreizen das Pferd ausgesetzt ist, bewundere ich das Zeitmanagement dieser Geschöpfe. Manch einer von unseren zweibeinigen Erdenbewohnern bekommt schon bei der Hälfte dieser täglichen Pflichten Burn-Out.

Was machen unsere Pferdchen dagegen?

Nun ja. Sie fressen, was ihnen direkt vor die Nase geworfen wird. Wasser befindet sich 5 Schritte nebenan. Riesige Koppeln und Auslaufflächen sind winzig im Vergleich zum benötigten Lebensraum freilebender Pferde. Dazu kommt, dass unseren Tieren jeglicher Anreiz fehlt, gerade im Winter die Größe der Paddocks auszukosten. Wer kennt das nicht? 2000qm Fläche und die Hühs bewegen sich jeden Tag auf 200qm um die Fressplätze herum. Die Umwelt bietet auch immer wieder denselben Trott. Der Koppelpartner wird auch nicht interessanter. „Täglich grüßt das Murmeltier“ ist spannend dagegen.

Und der Mensch? Der hat in diesem Spiel täglich die Aufgabe, Abwechslung in das Leben der Pferde zu bringen. Sei es auch nur für ein oder zwei Stunden. Um geistig beansprucht, trainiert und gefördert zu werden, reicht es nicht aus, seinem Pferd ein halbwegs artgerechtes Leben zu ermöglichen. Pferde sind Lebewesen, die ihren Charakter ständig weiterbilden, ihre Persönlichkeit verändern und die in ihrer psychischen Entwicklung Zeit ihres Lebens nach vorne streben. Durch das Training mit dem Menschen stärken sie ihr Selbstvertrauen. Das Lösen unserer Aufgaben lässt sie ebenso befriedigt durch den Tag hüpfen, wie wir Menschen uns nach einem harten, aber erfolgreichen Arbeitstag fühlen.

Der tägliche Überlebenskampf, für den ein Wildpferd seine geistigen und körperlichen Ressourcen benutzen und ständig verbessern musste, sollte annähernd durch den Menschen ersetzt werden können, um den Pferden ein ausgeglichenes und zufriedenstellendes Leben zu ermöglichen. Und hierbei ist es völlig unerheblich, ob ein kleines Pummelpony im Stall steht oder das reinrassige hochblütige Sportpferd.

Ein anderer Punkt hat mich auch zum Nachdenken angeregt. Viele Hauspferde sind es von Kindesbeinen an gewöhnt, den Menschen als Sozialpartner zu sehen. Sie lieben die Menschen und haben oft bereits großes Gefallen an dem Unterhaltungsprogramm und an der entgegengebrachten Zuneigung gefunden. Wird ihnen dies plötzlich entzogen, werden sie genau so traurig, wie wir darauf reagieren würden. Depressionen sind auch bei Tieren beobachtet worden. Und das Pferd weiß nicht, dass sein Besitzer die Arbeit wechselte und nun keine Zeit mehr hat. Oder dass ein Baby das Leben neu bastelt und alles auf den Kopf stellt. Wenn unerfüllte Leistungsbereitschaft die Lust am Partner Pferd schwinden lässt oder der attraktive Jüngling im Nachbarhaus die Zeit für sich beansprucht. Das Pferd wird es nicht verstehen, es wird aber einen wichtigen Punkt in seinem Leben vermissen.

Und sind wir mal ehrlich? Wer weiß schon wirklich, WAS sein Pferd denkt und fühlt? Es wedelt nicht vor Freude mit dem Schweif und winselt auch nicht traurig vor sich hin.

Körperliche Fitness

Tierärzte betonen immer wieder, wie wichtig tägliche und vor allem ausreichende Bewegung für Pferde ist! Der ganze Organismus ist auf Bewegung aufgebaut. Knochen, Gelenke, Muskeln, Verdauungsorgane usw. benötigen jeden Tag viele Kilometer Schritt, um sich gesund entwickeln zu können. Gerade im Winter geben unsere Haltungsformen dieses Pensum nicht her. Hier ist ganz klar der Mensch gefragt. Wer möchte, dass sein Pferd körperlich fit und gesund bleibt, sollte mindestens 4 Tage in der Woche 1-2 Stunden Zeit aufbringen, um sein Pferd zu bewegen. Wobei ich hier den Mindestwert nenne. Es gibt durchaus auch fachliche Meinungen, die auf jeden Tag plädieren. Und es ist nicht der Auslauf auf dem Paddock gemeint. Dieser wird als selbstverständlich voraus gesetzt. Schädlich dagegen ist es, das Pferd einmal am Wochenende raus zu holen und dann über seine körperlichen Fähigkeiten hinaus zu beanspruchen.

Und das Ende vom Lied?

Ganz klar ist mir bewusst geworden, dass unser Pferd viel Mensch braucht, um körperlich, aber vor allem auch geistig ausgeglichen und zufrieden leben zu dürfen. Jeder Pferdebesitzer steht in der Verantwortung für sein Pferd nicht nur eine artgerechte Haltung und Fütterung anzustreben, sondern auch dafür zu sorgen, dass es täglich beschäftigt und in seiner Persönlichkeitsentwicklung gefördert wird. Gerade im Winter, wo traditionell die meisten Reiter lieber daheim bleiben und die Tage sowieso viel zu kurz sind, brauchen unsere Pferde viel menschliche Aufmerksamkeit. Schade, dass unsere Argumente viel zu viel Mensch aufweisen und dabei nur noch wenig Pferd übrig bleibt.

Das Wohl der Pferde hört nicht bei Stall, Futter und Tierarzt auf…sie fängt gerade da erst an.

Ich möchte selbstverständlich anmerken, dass jedes Pferd ein Individuum ist  und keine Pauschalisierung möglich ist. Ebenso gibt es mit Sicherheit Pferdebesitzer, die ihre Tiere in einer Art und Weise beschäftigen bzw. trainieren, bei der sich das Pferd lieber ein Leben ohne den Menschen wünscht. Aber von diesen Fällen rede ich heute nicht. 

Diana Zarrouk

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Kommentare  

 
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#28 Carmela 2015-11-27 03:48
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